Einst führte ich blind aber geschickt ein Mahl zu meinem Schnabel, welches wunderbar mundete. Der Eindruck des ersten Happens brannte sich in meinen Kopf, wie der des ersten Kusses. Dieser Biss blendete meinen Verstand so sehr, dass ich es nicht mitbekam wie er beinahe von Geisterhand gestohlen, verschwand.
So nahm ich ein weiteres Stück zu mir. Ein weiteres Mal war ich geblendet. Wollte es jedoch sofort beschreiben, dieser unglaublichen Süßlichkeit einen Namen geben. Ich konnte ihn weder greifen, noch begreifen. Alles was blieb war eine Ahnung von Verzweiflung. Weiter griff ich nach dieser Illusion, hoffte zu wissen, hoffte zu verstehen was meine Zunge berührte. Nichts als die Erkenntnis, dass es mir entronnen war, blieb.
Folgend meinem Instinkt, nahm ich ein weit größeren Fetzen zu mir. Mochte einfach die Zeit verlängern in der ich analysieren konnte. Hin und her gerissen von der Faszination welcher der liebevoll Strich über meine Nerven ausgelöst hatte, wandelte ich so plötzlich durch Welten meiner Fiktion, wie die ersten Bissen verschwanden, wie auch dieser Biss verschwand.
Noch einmal sollte es größer werden, _______das Stück, ______die Blindheit. Langsam aber sicher erboste mich dieser Zustand. Es blieb nie genug Zeit, nie genug Konzentration um diese bizarre Substanz zu ergründen. Es eilten weitere Füllung meines Mundes nach. Mittlerweile war ich gepeinigt. Gepeinigt von der Ungeduld welche sich durch meine eigene Wut angetrieben sah. Es gab nicht mehr als eine Gedanke: „Ich will wissen, was es ist? Was es ist?“
Ohne Aussicht auf einen Ausweg stopfte ich mich nun, bis der Speichel rann. Wie eine Droge koalierte der überschwängliche Ehrgeiz mit meiner Neugier herauszufinden was es für ein Geheimnis mich so fesselte. Vielleichtt war es damals auch nur die Neugier nach der bereits seit langem entschwunden Lust, die Lust dieses Mahl zu essen.
So erinner’ ich mich noch genau, als plötzlich mich ein Krampf durchfuhr bei dem ich unweigerlich ausspuckte was eben noch meinen Rachen zierte. Mit großer Verwunderung bemerkte ich abscheulich bitteren Geschmack, der mir Tränen in die Augen trieb. So bitter, dass ich kaum erinnern konnte was ich eben noch dachte.Angewidert wollte ich mit vollen Händen mir die Augenbinde entreißen. Mir die Gewissheit erschleichen. So verstrichen tatenlose Minute in denen ich nicht um mich wusste. Zurück rissen mich meine wässrigen Hände. Das Mahl wollte mir keine Zeit mehr geben. Es zerrann zwischen den Finger.
Ohne jegliche Motivation zwang ich mich dazu in das Unbekannte zu beißen. Hatte Angst vor dem was kommen würde, vor dem was ich erahnte.
Ohne jegliche Motivation zwang ich mich dazu in das Unbekannte zu beißen. Hatte Angst vor dem was kommen würde, vor dem was ich erahnte.
Entgegen jeder Erwartung erwachte meine Neugier. Sie gebar als ein neutraler Wind durch mich pfiff. Was nur war es bloß? Vor kurzem waren meine Griffel zu klein um zu fassen, vorkurzem war mein Verstand zu beschränkt um zu erfassen. (Was nur war es bloß?) Nun ist’s kaum mehr so groß wie ein Fingerhut, nun fühlt man’s nicht mehr als ein Windhauch? Was nur war es bloß? Ich wollt kein Fehler mehr begehen, wollt’ nun sinnen (Was nur war es bloß?) und verstand. Kein Biss sollt’ größer sein als mein Verlangen, kein Biss sollt’ kleiner sein als meine Befriedigung es zu gestand.
Als ich so das letzte mal von diesem Mahl zehren sollte, erahnte ich es nicht. Es verschwand aus meiner Hand, wie aus meiner Kehle. Doch schien dieser letzte Brocken besser noch dosiert als der erste, welcher sich in mich brannte. Langsam drang ich ein in die alte Illusion und ging auch diesem Bissen ins Garn, ergriff dabei mit der Leichtigkeit meiner Reife den schicksalhaften roten Faden und verschwand erneut im Genuss, bis mich aus heiterem Himmel der Blitz traf. Panisch suchte ich nach einem letzten Krümel, panisch suchte ich nach der Antwort, die ich schon lange _____ vergessen hatte.
Egal wie hartnäckig ich blieb am Ende zog ich doch Binde. Während ich auf die Packung starrte, wurde mir klar, dass es auf der Hand gelegen hatte, so simpel war’s. Mir wurde klar, dass es mir auf der Zunge gelegen hatte, ich hätt’s nur aussprechen müssen...
Copyright © by Thomas Bienert Dezember 2007
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